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Das Ende der Hierarchie

Die technische Entwicklung und die Entwicklung der Märkte haben eine Umwelt geschaffen, die so anders ist, dass viele darin nicht mehr zurechtkommen. Sie sind noch zu sehr im hierarchischen Denken verhaftet. Das könnte angesichts der Götterdämmerung der Hierarchie gefährlich für das Unternehmen werden.


Beim Superbowl im Jahr 2013 passierte etwas Spektakuläres: Der Strom fiel aus und zwar für 36 Minuten. Dem amerikanische Kekshersteller Oreo gelang ein Coup, nämlich eine Twitter Nachricht, die da lautete „Du kannst sie auch im Dunkeln (in Milch, Anm.) eintunken und essen“. Dieser Tweet wurde 14.000 mal retweetet, also weiterverbreitet. So wurde Oreo der Gewinner einer gigantischen Werbeschlacht, bei der eine einzige Werbesekunde normalerweise 133.333 Dollar kostet. Der Tweet von Oreo war annähern ohne Kosten. Abgesehen von dem Erfolg aus Marketingsicht steckt in dieser Anekdote einiges, das uns betrachtenswert erscheint:

Wie konnten die das so schnell hinbekommen?


In Unternehmen wie sie die meisten kennen wäre dieser Coup an einigen strukturellen Hürden gescheitert. Zunächst ist das ja eine Maßnahme, die im größeren Zusammenhang von vielen Marketingmaßnahmen steht. Wir sind es gewohnt, dass das wohl abgewägt werden muss und dabei auch eine Fülle von Formalitäten zu beachten sind, die hauptsächlich mit der Hierarchie in Unternehmen zu tun hat. Da kommt dann jemand und fragt „Wieso wurde ich nicht gefragt“. Nicht selten werden in Unternehmen Mitarbeiter, die eine solche besondere Leistung erbracht haben im Nachhinein dafür gerügt, dass sie irgendwelche Dienstwege nicht eingehalten haben. Nun – wenn Du während eines Stromausfalls beim Superbowl 36 Minuten Zeit hast, etwas Großartiges zu leisten, wenn Du dabei haufenweise Erlaubnisse und Genehmigungen einholen musst. In dem Fall von Oreo, die als Unternehmen noch hierarchisch geprägt sind, war zufällig einer der Entscheidungsträger vor Ort anwesend. Was aber, wenn ein solcher nicht greifbar ist und in dem Unternehmen die Einhaltung von Dienstwegen unbedingte Vorschrift ist? Dann war's das mit dieser grandiosen Idee und ihrer Umsetzung. Dann wird ein paar Wochen später jemand eine Genehmigung erteilen und das Ding interessiert noch einen Toten. „Was? Hä? Kann man auch im Dunkeln tunken? Na und!“. Wie also sollen Unternehmen in Zukunft damit umgehen, dass die Märkte und die Kommunikation die Reaktionsgeschwindigkeit von Hierarchien schlicht überfordern? Das hier ist eine bittere und einfache Wahrheit: Erhöhe Deine Reaktionsgeschwindigkeit, sonst wirst Du untergehen. Schaffe die Hierarchie ab, um die Reaktionsgeschwindigkeit zu erhöhen.


Du glaubst noch, Du könntest mögliche Probleme vorhersehen und vorausschauend handeln? Das war vielleicht vor 10 Jahren noch so. Da war die Welt weit weniger komplex. Um halbwegs taugliche Prognosen abzugeben, müsstest Du einen Überblick haben, wie die Elemente Deines Systems miteinander reagieren. Heute ist die Welt so komplex, dass Du nicht mal weißt, welche Elemente Dein System überhaupt enthält, wie willst Du da mögliche Reaktionen des Systems prognostizieren? Es ist wie mit 250 km/h über die Autobahn brettern. Da musst Du einfach in der Lage sein schnell zu reagieren. Wenn Du da jemand neben Dir sitzen hast, den Du um Erlaubnis fragen musst, bevor Du eine Lenkbewegung machen darfst, möchte ich nicht in diesem Auto mit dabei sein.

Und das ist auch Rock'n'Roll – wenn Dein Trommler einen Takt vergisst und zu kurz spielt, wartest Du weder auf Erlaubnis Dich anzupassen, noch kämst Du einfach auf die Idee strikt am Arrangement festzuhalten, schließlich gibt es einen Plan und Pläne sind ja zum Einhalten gemacht.

Das ist dann auch gleich der zweite Punkt mit der Geschwindigkeit. Da draußen schieben 80% der Leute Dienst nach Vorschrift. Was macht Dich glauben, dass es bei Euch anders ist? Kann ich mit Leuten deren Motto beim Arbeiten lautet „Ein Pferd springt immer nur so hoch wie es muss“ dieser Geschwindigkeit erfolgreich begegnen? Dazu braucht es Mitarbeiter, die Bock auf ihren Job haben und die dabei auch noch Spaß haben. Mit Dienst nach Vorschrift ist in der heutigen Zeit ein Unternehmen schneller pleite, als der Geschäftsführer in seinen Zahlen bemerken kann. Hierarchien töten Freude, Lust, Einsatzbereitschaft, Kreativität und Innovationskraft. Willst Du das wirklich noch? Wie wäre es täglich in Gesichter von Menschen zu schauen, denen Du schon beim ersten Blick ansiehst, dass sie sich wohl fühlen und Spaß an ihrer Arbeit haben?


Einen dritten Aspekt gibt es noch und der ist auch noch paradox. Wenn heute Deine Teams Leistung bringen sollen und dabei schnell und auch noch kreativ und innovativ sein sollen, dann müssen die dazu in der Lage sein und zwar nicht fachlich, sondern zwischenmenschlich. Sind Deine Teams zwischenmenschlich ausgezeichnet? Stell Dir vor Du beobachtest zwei Teams: Eines ist fachlich top und zwischenmenschlich eher durchschnittlich und das andere ist fachlich eher durchschnittlich und dafür zwischenmenschlich ausgezeichnet. Was glaubst Du in welchem Team das Ergebnis besser sein wird? Gut – also frag Dich, ob Deine Teams wirklich im Zwischenmenschlichen ausgezeichnet sind. Leider scheitern Projekte meist genau an diesem Faktor, wenn sie schief gehen. Wie treffen Deine Teams Entscheidungen? Ist da die Hierarchie noch real da und einer entscheidet? Oder ist die Hierarchie immer noch im Kopf und es wird abgestimmt? Schon mal überlegt, was diejenigen jetzt machen, die vorher dagegen waren?

Landauf und landab wird jetzt gerne von agilem Management gesprochen, was im Kern eine gute Idee ist. Nur sind die Leute auch agil im Kopf? Bist Du als Chef auch agil im Kopf? Kannst Du loslassen und darauf vertrauen, dass Deine Leute schon einen guten Job machen werden? Und da ist wieder der Rock'n'Roll: Ein paar Virtuosen treffen sich um Musik zu machen. Das funktioniert nicht nach dem Motto „Alles hört auf mein Kommando“, sondern da gibt es eine gemeinsame Vision – es muss knallen – und dann arbeiten alle mit dem was sie haben und geben ihr Bestes, damit es knallt und nicht damit eine Ego Show bedient wird. Das hier ist Rock'n'Roll und kein Jazz.


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